Warum ist die Ersteinschätzung kostenlos?

Die Ersteinschätzung stellt die Möglichkeit einer ersten Kontaktaufnahme zu einem Mandanten dar. Als Rechtsanwalt kann ich grundsätzlich frei darüber entscheiden, ob ich ein angetragenes Mandat übernehme oder nicht. Ebenso kann der Mandant überlegen, ob er mir das Mandat erteilt.

Ich möchte mir die Möglichkeit der Mandatsablehnung vorbehalten, etwa weil es auf einem Gebiet liegt, dass ich nicht schwerpunktmäßig bearbeite (Gegenstand des Mandats) und ich denke, dass ein anderer Verteidiger dieses besser bearbeiten könnte. Pflichtverteidigungen übernehme ich nur in geeigneten Fällen, wenn der Fall interessant erscheint und momentan freie Kapazitäten vorhanden sind. Für eine solche Ersteinschätzung möchte ich dem Mandanten nicht noch Kosten auferlegen.

In der Ersteinschätzung kann auch der Mandant abschätzen, ob er mit der Art und Weise wie ich das Mandat zu führen beabsichtige, einverstanden ist. Vielleicht lässt sich außerdem schon bestimmen, ob es sich um Freispruch- oder Strafmaßverteidigung handelt.

Zu unterscheiden ist die kostenlose Ersteinschätzung von der Erstberatung im Sinne von § 34 RVG, die mit einer Auskunft oder einem rechtlichen Rat verbunden ist und der (verkürzt) lautet:

Für einen mündlichen oder schriftlichen Rat oder eine Auskunft (Beratung) sowie für die Ausarbeitung eines schriftlichen Gutachtens soll der Rechtsanwalt auf eine Gebührenvereinbarung hinwirken. Ist der Auftraggeber Verbraucher, beträgt die Gebühr für die Beratung oder für die Ausarbeitung eines schriftlichen Gutachtens jeweils höchstens 250 Euro; für ein erstes Beratungsgespräch beträgt die Gebühr jedoch höchstens 190 Euro.

In der Ersteinschätzung wird dagegen äußerst selten schon ein rechtlicher Rat oder Beratung erteilt, da die Akteneinsicht noch nicht erfolgt ist. Es kann dementsprechend allenfalls abstrakt über dieses Mandatsverhältnis gesprochen werden.

« Zurück zur Übersicht der Fragen (Pflichtverteidiger FAQ)