Was ist ein Kapitalverbrechen?

Als Kapitalverbrechen oder Kapitaldelikte bezeichnet man umgangssprachlich besonders schwere Straftaten gegen das Leben wie beispielsweise Mord, Totschlag oder Raub mit Todesfolge.

Ursprünglich fielen unter den Begriff der Kapitalstraftaten solche Straftaten, auf die die Todesstrafe stand. Abgeleitet wird er von dem lateinischen Wort „capitals“, welches übersetzt so viel bedeutet wie den Kopf oder das Leben betreffend. Kapitalverbrechen bedeutet folglich nichts anderes, als Haupt- bzw. Kopfverbrechen – somit Verbrechen, bei denen die Enthauptung drohte.

Heute gibt es keine Todesstrafe mehr und man meint mit Kapitalverbrechen vor allem für Delikte, die vor dem Schwurgericht (einer Spezialkammer des Landgerichts) verhandelt werden. Dies sind nach § 74 Abs. 2 GVG insbesondere vollendete und versuchte Tötungsdelikte.

Pflichtverteidiger bei Kapitalverbrechen

Bei dem Vorwurf eines Kapitalverbrechens ist immer ein Fall der Pflichtverteidigung (notwendigen Verteidigung) gegeben. Sie haben somit einen Anspruch auf die Bestellung eines Pflichtverteidigers. Fälle der notwendigen Verteidigung liegen insbesondere dann vor, wenn

  • die Hauptverhandlung vor dem Landgericht stattfindet
    (bei Kapitalverbrechen vor dem Schwurgericht immer der Fall)
  • dem Beschuldigten ein Verbrechen zur Last liegt
    (Verbrechen sind Delikte mit einer Mindeststrafandrohung von einem Jahr)
  • sich der Beschuldigte in Untersuchungshaft befindet
    (bei Kapitalverbrechen fast ausnahmslos)

Gerade bei so gewichtigen Vorwürfen, die unter Umständen auch eine lebenslange Freiheitsstrafe oder eine sonstige Maßregel zur Besserung und Sicherung zur Folge haben können, sollten Sie darauf achten, dass Ihnen ein im Strafrecht spezialisierter Verteidiger zur Seite steht. Sie haben die Möglichkeit und vor allem das Recht, sich ihren Pflichtverteidiger selbst auswählen zu dürfen. Von diesem Recht sollten Sie Gebrauch machen, bevor Ihnen das Gericht irgendeinen Anwalt als Pflichtverteidiger beiordnet. Denn eine Pflichtverteidigung sollte keine Verteidigung zweiter Klasse sein.

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